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20 Jahre Harry Potter

Generationen von Kindern haben Harry Potter regelrecht verschlungen. Deshalb kann ich mit Zuversicht davon ausgehen, dass es wenige Menschen gibt, die die Autorin J.K. Rowling nicht kennen oder keine Erfahrung mit ihren Zauberwelten haben. Meine Beziehung zu Harry Potter ist eine ganz besondere und hat ihre Wurzeln lange vor Erscheinen des ersten Bandes.

english bookVon klein auf hatte ich einen unstillbaren Lesehunger und tobte mich in unserer lokalen Bücherei vor allem in der Fantasy und Science-Fiction-Abteilung aus. Einzige Ausnahme davon bildeten Bücher, die es nur auf Englisch gab. Aufgrund zahlreicher unglücklicher Erfahrungen im Gymnasium war ich überzeugt davon, dass ich für Englisch nicht klug genug war. Eine Überzeugung, die sich bis zum Ende meines Studiums hartnäckig hielt. Ich weigerte mich konsequent, englische Texte zu lesen oder in meine wissenschaftlichen Arbeiten einzubeziehen. Bis ich mich eines Tages für einen 4-jährigen Weiterbildungskurs anmelden wollte. Einziger Haken: die Ausbildung war ausschließlich auf Englisch.

In meiner Verzweiflung wählte ich einen radikal anderen Ansatz als in der Schule. Ich wollte meine stoneBegeisterung für alles Magische ausnutzen, um meine Selbstzweifel zu überwinden. Ich kaufte Harry Potter and The Philosopher’s Stone. Auf Englisch.Was dann geschah, war zumindest für mich magisch. Ich las das Buch in einer Nacht mit Hilfe eines Wörterbuches und eines Buches über englische Grammatik. Am nächsten Tag kaufte ich den 2. Band und so ging es weiter, ein Buch nach dem anderen. Alle auf Englisch, und mein Vertrauen in meine sprachlichen Fähigkeiten wuchs mit jeder Seite. Heute lebe ich in Australien, unterrichte Englisch und kann mit Fug und Recht behaupten, dass Harry Potter mein Leben auf “magische“ Weise verändert hat.

rowlingJ.K. Rowling ist etwas sehr Seltenes und Kostbares gelungen. Sie berührt mit ihren Geschichten Millionen Menschen über Generationen hinweg. Wie viele Bücher gibt es, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert lesen können und in magischen Welten eintauchen lassen? Meiner Meinung nach nicht viele. Ich bin überzeugt, dass Harry Potter zu einem neuen Aufschwung der Lesebegeisterung bei Kindern und Erwachsenen beigetragen hat und wer einmal von diesem “Lesevirus” befallen ist, wer die “Abenteuer im Kopf” selbst erlebt hat, hört nicht mehr auf.

Das Interesse an Büchern, einmal geweckt, verschwindet nicht auf einmal wieder, sondern weitet sich aus, macht neugierig auf mehr, lässt uns nach neuen Abenteuern suchen. Meine eigenen Kinder bilden da keine Ausnahme. Wir genießen Harry Potter gemeinsam. Es ist ein verbindendes Erlebnis, das über dasfamily reading Lesen hinausgeht. Gemeinsames Gruseln, Lachen und Weinen (ich weine noch jedes Mal, wenn Sirius Black für immer verschwindet), endlose Diskussionen, wie es wohl mit einer Nebenfigur weitergehen könnte und der Wunsch meiner Kinder selbst,  Geschichten zu schreiben. Wird es jemals wieder ein Buch geben, das eine ähnliche Faszination ausübt? Auf jeden Fall. Vielleicht wird es ja gerade geschrieben.

Ich möchte an dieser Stelle auch behaupten, dass Harry Potters Welt beinahe grenzenlos ist. Weniger bekannt, aber deshalb nicht weniger gut, sind die beiden Bücher, die ich im Blog J.K. Rowlings Zauberwelten vorgestellt hatte. Mit ihnen macht die Autorin die Magie für die Kinder noch greifbarer. Und wessen Hunger auch danach noch nicht gestillt ist, sieht sich unbedingt im Hashtag #20yearsofmagicde um. Dort gibt es noch einiges mehr zu entdecken.

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20 Jahre ist es her, seit der erste Band von Harry Potter in deutscher Sprache erschien. Der Carlsen Verlag feiert diesen Geburtstag im großen Stil. Zum Beispiel mit einer Jubiläumsausgabe oder mit dieser Blogparade Harry Potter und die Magie des Lesens. Sie hat mich dazu bewogen, mein ganz persönliches Erlebnis mit Harry Potter hier niederzuschreiben.

 

 

 

 

Zerplatzen kann was Schönes sein

Kinder sind begeistert von Luftballons. Besonders wenn diese mit Helium gefüllt sind und in der Luft schweben. Das meint auch Désireé Rück, auch bekannt als Désireé Bücherfee, die leidenschaftliche Leserin und Instagram-Kinderbuchbloggerin @desireebuecherfee aus Bayern. Sie teilt im heutigen Blog ihre Liebe zu Kinderbüchern und stellt drei vor, die den Luftballon zum Thema haben. Auch gibt sie tolle Tipps, wie man seinem kleinen Kind am Besten vorliest.

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mondWie stolz Kinder sind, wenn sie mit einem Luftballon durch die Straßen laufen. So schön wie der Mond aus dem Beltz & Gelberg Verlag ist das passende Buch hierfür. Komako Sakai schafft es auf wunderbare Weise mit ihren leicht verwaschenen Zeichnungen sämtliche Gefühle der kleinen Hauptdarstellerin Akiko darzustellen. Das Besondere an den Zeichnungen ist, dass sie fast ausschließlich in gedeckten Farben gezeichnet sind und nur mit der Farbe Gelb gekonnte Akzente gesetzt werden. Akiko erlebt viele schöne Momente mit ihrem gelben Luftballon, bis der Wind ihn in den Baum weht. Und nun? Begleitet Akiko bis zum versöhnlichen Ende.  Ab ca. 1,5 Jahren geeignet.

 

pip und posyDer bekannte Autor Axel Scheffler hat mit Pip und Posy eine ganz wunderbare Reihe für Kinder ab ca. 18 Monaten geschaffen. Hier möchte ich euch Der rote Ballon vorstellen. Pip hat einen tollen roten Ballon und zeigt ihn ganz stolz seiner Freundin Posy. Der Ballon muss überall hin mit und es kommt, wie es kommen muss, der Ballon fliegt weg und zerplatzt im Baum. Pip ist zutiefst traurig. Zum Glück hat er eine so tolle Freundin wie Posy. Um Pip zu trösten, lässt sie sich etwas tolles einfallen. Und plötzlich ist zerplatzen überhaupt nicht mehr schlimm. Axel Scheffler gelingt es auf einfühlsame Weise darzustellen, dass der Verlust des Ballons durch zerplatzen zwar sehr traurig ist, aber man mit Einfallsreichtum sogar Freude am zerplatzen finden kann. Das Buch ist im Carlsen Verlag erschienen.

 

miss harrietDie Steigerung von normalen Luftballons sind natürlich Heißluftballons. Ist es nicht faszinierend wenn man einen am Himmel erblickt? Da wünscht man sich doch selbst mitzufliegen. Miss Harriets Ballonfahrt um die Welt von Sue Scullard, Lappan Verlag, ist ein hinreißendes Buch für alle kleinen Abenteurer und Heißluftballonfans. Miss Harriet, Rebekka und Wilhelm laden zu einer großen Ballonwettfahrt um die Welt ein. Insgesamt sind 67 Teilnehmer am Start, wovon die zehn berühmtesten noch einmal gesondert vorgestellt werden. Am Eiffelturm in Paris startet das Rennen und führt u. a. über den Schwarzwald, die Arabische Wüste, die Regenwälder von Borneo, New York und noch viel mehr! Die Ballonfahrer haben einige Schwierigkeiten wie Sandsturm, Hagel, Vulkanausbruch etc. zu meistern. Es bleibt spannend, wer am Ende das Rennen gewinnt. Die Bilder sind besonders eindrucksvoll gezeichnet. Viele herrlich bunte Ballons und ganz außergewöhnliche wie Erdbeere, Muschel, Kürbis, Fliegenpilz, Radieschen usw. zieren die einzelnen Seiten. Die farbenprächtigen Bilder sind ein wahrer Genuss und die Geschichte weckt die Abenteuerlust. Leider gibt es das Buch nur noch gebraucht zu erstehen, aber wenn ihr euch durch die verschiedenen Plattformen wühlt, werdet ihr fündig. Ich würde es vom Textverständnis ab 4-5 Jahre empfehlen. Die Bilder kann man natürlich schon vorher schauen und dazu erzählen.

 

Das Ganze und noch mehr auch als Podcast! Wir (Eva Murer, Adrian Plitzco und Désireé Rück) setzen uns mit dem Thema „Luftballons“ intensiver im Podcast „Kinder-Bücher-Musik“ des multikulturellen Radiosenders SBS in Australien auseinander. Eine Viertelstunde voller Informationen, Textbeispielen, Gespräche mit Autoren, Verlegern und Experten, Tipps, Analysen, hin und wieder Dispute, aber meistens Spass.

indexHier geht es zum Podcast: Zerplatzen kann was Schönes sein

 

 

vorlesetipps

Wie lese ich meinem kleinen Kind ein Buch am besten vor? Es gibt ein paar einfache Tipps, die man beachten kann, um das Vorlesen zu gestalten und das Interesse am lesen zu erwecken. 

 

1. Lest das Buch erst mal alleine (ohne Kind)

 

Warum? Ihr lernt dabei bereits die Geschichte und die Figuren kennen und könnt so beim gemeinsamen Anschauen mit dem Kind gleich gestellte Fragen beantworten. Denn meist sieht das Kind das erste Bild und es kommt gleich eine Frage aus dem Bauch heraus geschossen. Dann ist es schön, wenn man gleich sagen kann „der Hund heißt Leopold“ o.ä.! Auch ist es gut, wenn Sätze in einem Buch stehen mit denen man vielleicht selber nicht ganz konform geht, z. B. „Das finde ich blöd“! Dann kann man sich bereits einen passenden Satz überlegen, z. B. „das gefällt mir nicht“ oder „das finde ich nicht schön“ und muss seinen Lesefluss nicht unterbrechen.

 

2. Schaut mit eurem Kind zuerst alle Bilder an (OHNE den Text vorzulesen) und macht euch mit dem Buch vertraut

 

Kleine Kinder nehmen viel über Bilder auf. Meist sind die Bilder in Kinderbüchern sehr detailreich gestaltet. Nehmt euch die Zeit und erkundet die Bilder. Entdeckt dort eine Blume oder einen Vogel auf dem Baum. Vielleicht hat sich auch etwas unter eine Klappe versteckt oder es gibt ein Fühlelement/einen Sound. Besprecht die Bilder und beantwortet Fragen. Es gibt immer so viel zu entdecken. 

 

3. Das Vorlesen:

 

Da ihr selbst die Geschichte schon in Wort und Bild kennt, hilft es euch, beim Vorlesen eine schöne Betonung zu finden. Denn ihr wisst nun genau wie die Geschichte erzählt wird: z. B. fröhlich, aber es gibt auch eine traurige Passage, vielleicht auch mal wütend oder ängstlich. Die Vielfalt ist groß. Es kommt auch gar nicht darauf an, dass jeder Figur eine eigene Stimme verliehen wird. Wer das kann, ist natürlich top. Es kommt vielmehr darauf an, dass die Geschichte interessant vorgelesen wird. Denn auch wir Großen hören lieber eine spannende Rede, als einen eintönigen Monolog. Spaß macht es Kindern und gestaltet das Vorlesen lebendig, wenn beschriebene Handlungen (zum Beispiel winken, einen Kuss geben usw.) gezeigt werden und wenn Geräusche (Tierlaute, Motorengeräusch etc.) imitiert werden. 

 

4. Fragen beantworten und optional die Geschichte Revue passieren lassen:

 

Wenn eure Kinder Fragen zum Buch haben, nehmt euch die Zeit und beantwortet diese. Manchmal ist es auch schön (wenn es die Geschichte hergibt), zu besprechen ob es im Alltag schon einmal ein ähnliches Situation gab und was man für sich aus dem Buch mitnehmen kann. 

Theodor Geisel alias Dr. Seuss – deutsche Grosseltern, amerikanischer Erfolgsautor

Wer kennt sie nicht, die genialen Reime des Dr. Seuss? Seine Bücher zählen nicht nur zu den Klassikern amerikanischer Kinderliteratur, sondern sind auch ein Schatz voll Weisheit und Lebensfreude. Aber “funktionieren” die Reime auch in der deutschen Übersetzung? Lösen die Bücher die gleiche Faszination aus wie das amerikanische Original? Sehen wir uns zwei der klassischen Dr. Seuss Bücher in der deutschen Fassung genauer an.

gruenes eiGrünes Ei mit Speck – Das Allerbeste von Dr. Seuss. Deutsch von Felicitas Hoppe. Fischer Verlag. In diesem Buch steckt nicht nur die berühmte Geschichte vom grünen Ei mit Speck (Originaltitel:  „Green Eggs with Ham“), sondern auch noch die Bücher “Da ist eine Nasche in meiner Tasche” und “Einfisch, Zweifisch, Rotfisch, Blaufisch”.

Im ersten Buch Grünes Ei mit Speck wird Sam zu Jack unbenannt, der sich damit viel besser mit Speck reimt. Die Übersetzerin Felicitas Hoppe hat versucht, so nah wie das sprachlich möglich ist, am Original zu bleiben. Das ist ihr inhaltlich sehr gelungen. In den Reimen selbst geht es sich jedoch nicht immer aus, die gleichen Begriffe bzw. Worte zu übernehmen. Dementsprechend “fliessen” die Worte oft dahin, an anderen Stellen jedoch werden die Reime holpriger und die geniale Kombination zwischen Reimen, Lesefluss, Illustrationen und Inhalt des Originals geht ein wenig verloren.
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seuss2

loraxÄhnlich ergeht es dem Lorax, dem zweiten Buch, das wir im Podcast vorstellen. Die Übersetzung kommt so nahe an den Wortwitz und die Sprachgewandtheit des amerikanischen Originals heran wie nur möglich. Es gibt jedoch auch Passagen, in denen die deutschen Wörter nicht die gleiche Faszination auslösen, besonders wenn man mit dem Original vertraut ist. Die Geschichte selbst ist genial erzählt und übt zeitlose Faszination aus.
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seuss1Ich finde es immer wieder überraschend, wie relevant die Geschichten von Dr. Seuss, auch seine Lebensweisheiten und Betrachtungen heute noch sind. Umweltschutz, Freundschaft, Angst vor dem Unbekannten, Gier, Selbstlosigkeit, etc. sind Themen, die uns alle, ob gross oder klein,  immer wieder beschäftigen. Dr. Seuss versteht es wie kein anderer uns mit seiner Sprachvirtuosität mitzunehmen und uns zu begeistern. Er nimmt Kinder (und Erwachsene) ernst, verzichtet auf “vereinfachte” Inhalte, aber wählt einen Zugang zur Sprache, der es selbst sehr jungen Kindern erlaubt, sich sowohl mit dem Inhalt auseinanderzusetzen als auch mit Sprache zu spielen und sprachliche Erfahrungen zu sammeln.

Dr. Seuss’ Geschichten und Reime sind unvergleichlich in ihrer genialen Einfachheit, die es wiederum schwer macht, die Leichtigkeit und gleichzeitige Tiefe in der Sprache in einer Übersetzung beizubehalten. Die deutschen Übersetzungen kommen sehr nahe an dieses Ideal heran und bieten einen soliden Einstieg in die Welt Theodor Geisels alias Dr. Seuss.

Das Ganze und noch mehr auch als Podcast! Wir (Eva Murer und Adrian Plitzco) setzen uns mit dem Thema „Dr. Seuss“ intensiver im Podcast „Kinder-Bücher-Musik“ des multikulturellen Radiosenders SBS in Australien auseinander. Eine Viertelstunde voller Informationen, Textbeispielen, Gespräche mit Autoren, Verlegern und Experten, Tipps, Analysen, hin und wieder Dispute, aber meistens Spass.

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Vorlesen und fürs Leben lernen

loescheKinder lassen sich gerne was vorlesen. Sie werden dabei nicht nur unterhalten, sondern erfahren auch durchs Hintertürchen, wie man sich im Leben bewährt. Wir stellen drei Bücher vor, mit den Themen Selbstwertgefühl, Mitgefühl und Kreativität, die Katharina Loesche mitgebracht hat. Sie war unser Gast im Podcast-Studio und schrieb auch diesen Blog.  Katharina Loesche ist Mutter dreier Kinder und leitet eine deutsche Spielgruppe in Brisbane, Australien.

piepPiep, piep, piep   “I-aaah” macht der Esel, “Klacker-di-klack” die Bauklötzchen und natürlich macht die Polizei “Tatü-Tataa”. Doch damit geht es jetzt erst richtig los: Muuh, sssst, ratatadam, autsch, peng, wauwau, schmatz! Dieses kleine, kompakte Buch sammelt Geräusche für die ganz Kleinen, die mit großer Freude kaum die nächste Seite erwarten können. Welches Geräusch macht der Frosch? Die Kuh? und Weihnachten?weihnachten

Endlich mal ein Kleinkindbuch mit mehr als zehn Seiten! Dieses wirklich dicke Buch haben sich alle meine Kinder immer und immer wieder gerne angesehen – und mitgemacht. Täglich haben wir die Geräusche „vorgelesen“, bis sie sehr schnell fast alle nachmachten. Ich habe es schon mehrfach verschenkt und werde es auch weiterhin für einen ersten Geburtstag bestellen. Kurioserweise sind nicht alle Geräusche auf der Welt gleich, denn: der Frosch “quakt” auf Deutsch, auf Englisch macht er “ribib” oder “galumph” – ja was denn nun?

pferdEin Buch, das mit viel Spaß “laut” sein darf und zu wunderbaren Gesprächen über verschiedene Sprachen mit den ganz Kleinen einlädt.
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borstenUnd außerdem sind Borsten schön  Wer hadert nicht manchmal mit seinem Aussehen? Wer Locken hat, möchte gerne glatte Haare und umgekehrt. Wer klein ist, wünscht sich größer, muskulöser, aber um die Hüften schlanker zu sein, usw. usf. In diesem lustigen Buch in Reimform holt Autorin Nadia Budde die ganze schräge Verwandtschaft hervor – von Onkel Waldemar bis Opa Archibald – und jede Menge guter Freunde und illustrer Nachbarn. Wir sehen gleich, wo es hapert: „Unser Nachbar Thilo Schramm hat zu viele Kilogramm“. Der kleine Bruder Olli träumt von ordentlichen Bizeps, Waldemar von glattem Haar, die kleinen Jungs im Nachbarhaus wären gerne wie Supermann und sind – wenn wir ehrlich sind – davon so weit entfernt, wie es ihre vierschrötigen Schwestern in Rosa von echten Elfen sind. Und weil sie alle ganz hinreißend (und so lustig) sind, wie sie da stehen, hadernd mit dem, was fehlt oder zu viel ist, spricht uns am Ende einer aus der Seele, den der ganze Firlefanz um die Schönheit nicht juckt: es ist Onkel Parzival, dem ist sein Äußeres egal. Und der findet: „Eins ist wichtig, wie du bist, so bist du richtig!“

borsten2Die Autorin schafft es, mit viel Phantasie, Wortwitz und einzigartigen Illustrationen nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern zu unterhalten. Ein großartiges Buch, um seine Sprösslinge von Anfang an über den Unsinn von Vorurteilen und falschen Körperbildern aufzuklären.
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tiefseedoktorTiefseedoktor Theodor   Der liebenswürdige Doktor taucht jeden Abend mit seinem Spezial-U-Boot in den tiefen Ozean hinab und hat für alle Meeresbewohner ein offenes Ohr: ein Seepferdchen mit See-Schwäche; eine Krake mit acht schmerzenden Armen; ein Hai mit höllischem Zahnweh. Tiefseedoktor Theodor weiss Rat und im Nu fährt er mit viel “Bbbbzzzzz… ttttssssjj… vvvvv” eine der vielen Apparaturen an seinem wundersamen U-Boot aus und widmet sich seinen Patienten. Doch plötzlich schwebt er selbst in Lebensgefahr. Ob seine Patienten ihm wohl helfen können?

tiefseedoktor3Ein sehr schönes Kinderbuch, humorvoll erzählt und herausragend illustriert. Es ist eines unserer Lieblingsbücher und nach drei Kindern zwar etwas abgeliebt und mit viel Klebestreifen zusammengeflickt, aber immer noch ein Hit. Tiefseedoktor Theodor ist ein Bilderbuch in übergroßem Format (größer als DIN-A4). Die Illustrationen sind relativ einfach gehalten, gehen aber meistens über eine gesamte Doppelseite. Sie bieten gerade für die kleinsten Leser Details zum Entdecken, ohne dabei überladen zu sein. Der Text beschränkt sich pro Doppelseite auf wenige Sätze und das Schriftbild ist so groß gewählt, dass man das Buch sehr gut mit dem Kind auf dem Arm vorlesen kann.

tiefseedoktor2Sowohl der Tiefseedoktor als auch die Meerestiere und das U-Boot sind zum Großteil mit rundlichen Formen dargestellt, mit übergroßen Augen und Knollennasen. Die Figuren wirken dadurch einfach liebenswert. Eine ganz wunderbare und sehr eingängige Geschichte, brillant erzählt mit viel Gefühl für die Auffassungsgabe von Kindern. Es geht um Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Respekt vor den Tieren und Teamwork!
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Das Ganze und noch mehr auch als Podcast! Wir (Eva Murer und Adrian Plitzco – zusammen mit Katharina Loesche) setzen uns mit dem Thema „Vorlesen und fürs Leben lernen“ intensiver im Podcast „Kinder-Bücher-Musik“ des multikulturellen Radiosenders SBS in Australien auseinander. Eine Viertelstunde voller Informationen, Textbeispielen, Gespräche mit Autoren, Verlegern und Experten, Tipps, Analysen, hin und wieder Dispute, aber meistens Spass.

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Irena Kobald, Kinderbuchautorin

Das Bilderbuch „Zuhause kann überall sein“ erobert die Welt im Sturm. Es ist mittlerweile in etwa zwanzig Sprachen übersetzt worden und gewann mehrere Literaturpreise, darunter das Kinderbuch des Jahres 2015 in Australien (englischer Titel: My two Blankets).

2017-08-20-18-01-34--1721900936Im Podcast erzählt uns die aus  Österreich stammende und heute in Australien lebende Autorin Irena Kobald, dass sie mit ihrem Buch in erster Linie zeigen will, was geschehen kann, wenn man eine fremde Sprache lernen muss. „Je mehr ich sie beherrsche, desto mehr fühle ich mich zu Hause.“

 

indexHier geht es zum Podcast: Irena Kobald, Kinderbuchautorin

 

 

index(2)Das kleine Mädchen Wildfang musste seine Heimat verlassen und vor dem Krieg in ein fremdes Land fliehen. Alles dort scheint kalt, abweisend und vor allem fremd: die Menschen, die Sprache, das Essen und sogar der Wind. Wildfang möchte sich am liebsten nur noch in ihre geliebte Decke wickeln, die gewebt ist aus Erinnerungen und Gedanken an zuhause. Doch dann trifft sie im Park ein anderes Mädchen, das ihr nach und nach die fremde Sprache beibringt und mit ihr lacht. Und so beginnt Wildfang wieder eine Decke zu weben aus Freundschaft, neuen Worten und neuen Erinnerungen, die sie wärmt und in der sie sich zuhause fühlt.

Text: Irena Kobald. Illustration: Freya Blackwood. Erschienen im Knesebeck Verlag.

Wohin gehen die Toten?

Eine heikle Frage meines Sohnes zum Thema Tod, brachte mich als Mutter in Erklärungsnotstand. Genauer gesagt lautete seine Frage: “Mama, wenn man stirbt, was kommt danach?”. Nachdem er meine erste Antwort als nicht ausreichend ansah, versprach ich ihm, mich um mehr Informationen zu bemühen – hoffend, ein passendes Buch für Kinder zum Thema Tod zu finden.

Fotor_150271020163631_resizedLanger Rede, kurzer Sinn: es war nicht so einfach, wie ich gedacht hatte. Erstens gab es nicht viele Bücher für Kinder zu diesem Thema. Ich hatte unterschätzt, dass es immer noch ein Tabu zu sein scheint, mit Kindern (oder generell) über den Tod zu sprechen. Zweitens mochte ich die Bücher, die ich gefunden hatte, nicht wirklich. Sie waren – aus meiner persönlichen Sicht – entweder zu einseitig für eine bestimmte religiöse Vorstellung geschrieben, oder näherten sich dem Thema “kindgerecht” in einer absurden, fast ins lächerliche gehenden Weise. Beides gefiel mir nicht. Schliesslich stiess ich auf ein Buch aus dem Moritz Verlag, das wie für mein Dilemma gemacht schien:

tod3Und was kommt dann? Das Kinderbuch vom Tod von Pernilla Stalfelt. Ich bestellte das Buch und erwartete mit Spannung die Reaktionen meiner Söhne. Wir wurden nicht entschäuscht. Pernilla Stalfelt nähert sich dem Thema mit klarer, eindeutiger Sprache. Sie redet, beziehungsweise schreibt nicht um den heissen Brei herum und scheut sich auch nicht, schwierige Themen wie Kindersterblichkeit anzusprechen. Die Illustrationen (ebenfalls von Pernilla Stalfelt) sind in den Text integriert und ergänzen und erweitern das geschriebene Wort. Oft dienen die Bilder auch dazu, sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild vom Tod oder dem Sterben zu machen, aber auch um die Schwere des Themas mit liebevollem Humor aufzuhellen.

tod1Stalfelt beleuchtet den Tod aus verschiedenen Perspektiven: biologisch (was passiert mit dem Körper, nachdem man tot ist), sozial/kulturell (welche Rituale, wie z.B. Begräbnis gibt es, wenn jemand stirbt), aber auch philosophisch/religiös (welche Vorstellungen gibt es vom Leben nach dem Tod). Es gelingt ihr, den Tod als normalen und unausweichlichen Teil des Lebens darzustellen, als Erfahrung, die jeder von uns macht, sei es, weil ein Haustier oder ein uns nahestehender Mensch stirbt, oder auch weil wir selbst alle sterblich sind. Meine Söhne waren begeistert von dem Buch: “Danke Mama, da steht genau drin, was ich wissen wollte”. Wir lesen es immer wieder und sprechen über ihre Fragen oder Gedanken zum Thema Tod.
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moritz-kids-footerDiese positive Erfahrung mit einem schwierigen Thema führte zu der Frage, wer ist die Autorin, bzw. der Verlag, der so ein Buch verlegt? Wir haben in unserem Podcast und im Blog schon einige Male Bücher aus dem Moritz Verlag vorgestellt. So entstand die Idee, den Verlagsleiter Markus Weber zu interviewen. Der Moritz Verlag gehört zu den eher kleinen Verlagen mit ca. 20 Neuveröffentlichungen pro Jahr. Doch seit seiner Gründung 1994 spezialisiert sich der Verlag auf wunderschön gestaltete, aussergewöhnliche Bücher für Kinder und scheut sich nicht davor, auch schwierige Themen aufzugreifen. Ich finde vor allem die Auswahl an Büchern, die zum miteinander Lesen und Diskutieren anregen toll und eine Schatzgrube für junge und erwachsene Leser.

moritzMarkus Weber erzählt im Podcast über die Entstehung des Buches Und was kommt dann?, über die Freuden und Risiken, Verleger zu sein, über grosse Erfolge und unerwartete Flops, aber auch über sein eigenes Lieblingsbuch. Es ist ein spannendes und warmherziges Gespräch, das einen kleinen Einblick hinter die Kulissen des Verlagswesens gewährt.

indexHier geht es zum Podcast: Wohin gehen die Toten?

Wie du mit deinem Kind philosophierst

Philosophie ist kein Privileg der grossen Denker. Auch Kinder philosophieren gerne. Es gibt eine Reihe guter Bücher, die sie dazu anregen. Zum Beispiel „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Er zählt zu den absoluten Klassikern und ist eines meiner Lieblingsbücher.

prinzecht1Der Kleine Prinz   Die Geschichte des abgestürzten Piloten, der den kleinen Prinzen trifft, lässt uns in eine magische Welt eintauchen, in der das Philosophieren über Wahrheit, Werte, Freundschaft, usw. so normal ist wie Milch kaufen im Laden um die Ecke. Mich fasziniert bei dem Buch immer wieder, wie durch die Integration der Zeichnungen in den Textfluss nicht nur die Geschichte illustriert, sondern auch eine ruhige Stimmung erzeugt wird. Den kleinen Prinzen zu lesen, ist für mich literarische Meditation. Meine Kinder und ich lesen es immer wieder, und jedesmal führt es zu anregenden, „philosophischen“ Gesprächen.

prinzUmso gespannter war ich auf die Adaption von Joann Sfar, einem französischen Comic-Künstler. In diesem Buch transformiert Joann Sfar die Geschichte und kreiert eine Graphic Novel, die sich zum Großteil an die Vorlage hält und doch völlig anders ist. Die Ruhe, Nachdenklichkeit und Besinnlichkeit, die das Original vermittelt, ist verschwunden.

20170706_124546_1502105436708_resizedIn sechs Bildern auf jeder Seite, mit starken Farben und unruhigen Strichen rasen wir durch die Erzählung. Manche der Bilder sind überzeichnet, ins monsterhafte übertrieben (z.B. Der Geschäftsmann und die Rosen) und wirken bedrohlich. Die Adaption von Sfar ist sicherlich eine großartige Möglichkeit, das wunderbare Märchen von Saint-Exupéry für eine Leserschicht zugänglich zu machen, die das Original aufgrund des Covers nie in die Hand nehmen würde.

prinzecht2Zum Philosophieren mit meinen Kindern oder auch um selbst über die Geschichte nachzudenken, würde ich eher zum Original greifen.
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philosophierenPhilosophie ist wie Kitzeln im Kopf   Das Buch von Gudrun Mebs und Harald Lesch bietet im Vergleich zum kleinen Prinzen einen ganz anderen Zugang zum Philosophieren mit Kindern. Die Autoren verpacken die Beschreibung und Erklärung der Philosophie, sowie derer Grundzüge und Anfänge in eine Geschichte rund um eine Gruppe Kinder, die mit “ihrem” Professor auf einen Campingausflug fahren. Dabei erleben sie allerlei Abenteuer und haben jede Menge Gelegenheit mehr über die ersten (griechischen) Philosophen zu lernen, Fragen zu stellen und selbst zu philosophieren.

20170706_124625_resizedEs gibt ja auch fast keinen besseren Ort als unter dem Sternenhimmel rund ums Lagerfeuer zu sitzen und sich den Fragen der Welt zu widmen. Anhand von Erlebnissen und Beispielen erklärt der Professor anschaulich philosophische Grundlagen und auch die Kinder in der Geschichte betätigen sich aktiv als Philosophen. Den Autoren gelingt es, Philosophieren als etwas ganz Alltägliches zu zeigen, das wir alle allein oder gemeinsam tun können. Ein lustiger und unkomplizierter Einstieg in die Welt der Philosophie!
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Diese Tipps und noch mehr auch als Podcast! Wir (Eva Murer und Adrian Plitzco) setzen uns mit dem Thema „Philosophieren mit Kindern“ intensiver im Podcast „Kinder-Bücher-Musik“  auseinander. Der Podcast erscheint wöchentlich mit unterschiedlichen Themen im multikulturellen Radiosender SBS in Australien. Eine Viertelstunde voller Informationen, Textbeispielen, Gespräche mit Autoren, Verlegern und Experten, Tipps, Analysen, hin und wieder Dispute, aber meistens Spass.

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